Flakstellung in Steilshoop

In der Literatur zu Steilshoop, welche sich mit den älteren Gebäuden und Strukturen vor den 1950/60er Jahre befasst, wird unter anderem das bekannte Restaurant Forsthof genannt, dessen Name bis heute mit dem Tennisverein verbunden ist.

In den Beschreibungen zu dem Restaurant wird immer wieder erwähnt das dieses 1943 zerstört wurde, manchmal mit dem Hinweis auf einen Bombentreffer (Luftmine).

Vorderseite mit Motiv.
Postkarte des Forsthof mit einer Ansicht vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

Nur in einer Quelle wird in diesem Zusammenhang erwähnt das unweit des Restaurants auf einer Wiese eine Flakstellung stand.

Im folgenden werden Informationen zu der Steilshooper Flakstellung präsentiert, die im wesentlichen aus der Dokumentation von Herrn Janthor zu den Hamburger schweren Flakstellungen stammen.



Flak (Flugabwehrkanonen)

Flugabwehrkanonen (kurz Flak) entwickelten sich im Laufe des ersten Weltkriegs zur Abwehr von Ballons und Flugzeugen aus normalen Kanonen / Geschützen.

Im Rahmen ihrer Entwicklung wurde dabei auf große Rohrerhöhung und hohe Rasanz der Geschosse wert gelegt.

Ihre größte Verwendung und Verbreitung erreichte sie im zweiten Weltkrieg im europäischen Kampfraum, vorallem in Deutschland.

Dabei wurde in Deutschland zwischen leichte (2cm), mittlere (3,7cm) und schwere (ab 8,8cm) Flak unterschieden. Hierbei waren die schweren Flaks die Träger des Abwehrkampfes gegen die hochfliegenden Flugzeuge wie die schweren Bomber der Engländer und Amerikaner.


10,5cm Flak 38
Neben der berühmten 8,8cm Flak das häufigste Geschütz der schweren Flak.
Dieser Geschütztyp wurde in der Flakstellung in Steilshoop eingesetzt.
Bildquelle: wikimedia.org (Standort: Militärmuseum Belgrad, Serbien)



Die Hamburger Flak

Für die Luftverteidigung in Hamburg war die 3. Flakdivision (bis 01.09.1941 Luftverteidigungskommando 3) zuständig. Diese Flakdivision ist der Organisationsverband in der alle Flakeinheiten im Raum Hamburg koordiniert wurden.

Der Raum Hamburg wurde dabei organisatorisch in drei Bereiche untergliedert: Nord, Ost und Süd. Der Division strukturell untergeordnet waren die Flakregimenter 16 (Nord), 51 (Süd) und 60 (Ost, bis 1944). Dazu noch das Flak-Regiment 66 und das Flak-Scheinwerfer-Regiment 16

Die Stärke der Hamburger Flak stieg bis zu ihrem Höchststand im Juli 1943 auf 75 Batterien mit rund 346 Geschützen.

Die Batterien verteilte sich dabei in drei Ringe (Inneren, Mittleren, Äusseren). Im äusseren Ring waren grob die Hälfte der Batterien im Einsatz. Im mittleren Ring waren sie vorallem auf den Hauptflugschneisen der Bomber stationiert. Der innere Ring ist vorallem bekannt durch die beiden Flaktürme.

Zur Bekämpfung der Bomber wurden Millionen von Geschossen verschossen. Ein Abschuß eines Flugzeuges benötigte z.b. 1943 rund 3500 Geschosse aus schweren und rund 5000 Geschosse aus leichten Flaks.

Neben Wehrmachtsangehörige, vorallem der Luftwaffe, waren viele junge Flakhelfer im Einsatz. Diese zumeist zwischen 15 und 17-jährigen Jungen wurden ab 1943 immer stärker eingesetzt. Im Laufe des Krieges übernahmen sie immer mehr Verantwortung und Aufgaben.


B-17 Bomber unter Flakbeschuss (1944).
Bildquelle: wikimedia.org



Organisation einer schweren Flakbatterie

Bis April 1944 bestand die meisten schweren Batterien aus vier Geschützen der Kaliber 8,8cm oder 10,5cm. Ab April 1944 erhöhte sich die Geschützanzahl auf sechs bis acht Rohre.

Bei vier Geschützen enthielt eine Batterie eine Mannstärke von 120. Von 45% (1943) bis 65% (Kriegsende) dieser Mannstärke wurde durch Behelfspersonal gestellt. Behelfspersonal waren Flakschüler, Flakhelferinnen und Hilfswillige.

Die meisten Batterien wurden ortfest (Geschütze auf Betonsockel) oder verlegbar (Zugmaschinen mussten gestellt werden) stationiert.

Neben den Geschützstellungen gab es einen Beobachtungsposten mit einem Entfernungsmessgerät, sowie den Kommandoposten. Desweiteren gab es Unterkünfte, Munitionslager, usw.



Luftangriffe auf Hamburg

Besonders bekannt war der Angriff auf Hamburg im Rahmen der Operation Gomorrha vom 24. Juli bis zum 03. August 1943, dessen daraus ausgelöster Feuersturm einen Großteil des Hausbestandes im Osten Hamburgs zerstörte sowie zu zahlreichen Todesfolgen führte.

Neben dieser Angriffsserie gab es bis Kriegsende über 200 weitere Bombenangriffe auf Hamburg in denen neben rund 300.000 größere Bomben sowie mehrere Millionen Stabbrandbomben abgeworfen wurden.

Einige dieser Bomben fielen mindestens 1943 auch auf das Gebiet von Steilshoop, wie z.B. die oben schon genannte Luftmine auf das Forsthof. Insbesondere das Gebiet angrenzend an Barmbek war davon betroffen.


Avro Lancaster der No. 1 Group im Angriff auf Hamburg (1943).
Bildquelle: wikimedia.org



Die Steilshooper Flak

Nachgewiesen konnten im Raum Hamburg folgende Flakverbände die dem Raum Hamburg-Ost zugeordnet waren:

- Spätestens seit dem 26.06.1942 die erste und dritte Batterie der schweren Flakabteilung 162 unter dem Kommando von Oberleutnant Decker.
- Ab Januar 1944 die zweite und vierte Batterie der schweren Flakabteilung 647 unter dem Kommando von Oberleutnant Mensing.

Die Einheiten verfügten über ortsfest stationierte Flakgeschütze vom Typ 10,5cm.

Nach unterschiedlichen Quellen sollen es sich um 2x (je 6x 10,5cm) bzw. 3x (je 6x 10,5cm) gehandelt haben.

Die Lage der drei Stellungen der Batterien sind auf den folgenden Kartenausschnitte zu sehen.

Stellungen der Flakbatterien in Steilshoop.

Auf einem Karteausschnitt von 1942.


Aktuelle Karte.

Es ist nicht endgültig bekannt bis wann die Stellungen existierte und bis wann sie genutzt wurden.



Abschussansprüche

Im Weltkrieg konnten Einheiten festhalten, an welchen Flugzeugabschüssen sie beteiligt waren. Dieses ist natürlich bei der großen Anzahl an Flaks im Raum Hamburg naturgemäß schwierig.

An folgenden Abschüssen wurde eine Beteiligung der Steilshooper Flak gemeldet.

Am 26.06.1942 um 01:55 Uhr: Ein leichter britischer Bomber vom amerikanischen Typ Lockheed Hudson mit Absturzort Farmsen-Hinschfelde.

Am 29.07.1942 um 01:32 Uhr: Ein mittlerer britischer Bomber vom Typ Vickers Wellington mit Absturzort Glinde-Schönnigstedt.

Am 25.07.1943 um 01:06 o. 02:00 Uhr: Ein unbekannter Typ mit Absturzort in den Drägerwerke in Hamburg-Wandsbek. Abschuß im Rahmen der Operation Gomorrha.

Am 30.07.1943 um 01:10 Uhr: Ein britischer schwerer Bomber vom Typ Lancaster mit Absturzort Karstadthaus in Hamburg-Wandsbek. Abschuß im Rahmen der Operation Gomorrha.

Am 20.01.1944 um 18:45 Uhr: Ein britischer schwerer Bomber vom Typ Halifax mit Absturzort Horst (Klostermoor) bei Elmhorn.

Am 18.06.1944 um 09:30 Uhr: Ein amerikanischer schwerer Bomber vom Typ Boing B-17 mit Absturzort Hamburg-Altona (Kieler Str.).

Am 11.11.1944 um 19:15 Uhr: Ein britischer schwerer Bomber vom Typ Lancaster mit Absturzort Hamburg-Ellerholzhafen.

Am 31.12.1944 um 11:47 Uhr: Ein amerikanischer schwerer Bomber vom Typ Boing B-17 mit Absturzort Hamburg (Maakendamm).

Am 31.12.1944 um 11:47 Uhr: Ein amerikanischer schwerer Bomber vom Typ Boing B-17 mit Absturzort Hamburg (Dradenau).

Die Statistik wurde nur bis Ende 1944 geführt und enthält nur die Abschüsse mit Absturz im Raum Hamburg.




Flugzeug vom Typ Lockheed Hudson.
Ein ähnliches Modell wurde beim ersten gemeldeten Abschuß verwendet.
Bildquelle: wikimedia.org



Quellen

- Janthor, Guido: Hamburg - Feuerstellungen der schweren Flak, Hannover 2018, PDF (Textversion 1.0b)
- Bundesarchiv-Militärarchiv (BAMA), RL 19-11/145 (alt: RL 19/462) bis RL 19-11/151 (alt: RL 19/468)
- Nicolaisen, Hans-Dieter: "Der Einsatz der Luftwaffen- und Marinehelfer im 2. Weltkrieg, Darstellung und Dokumentation", 1981, Selbstverlag, 667 Seiten
- Wegwerth, Helmut: Die Boden - Luftverteidigung Hamburgs im Zweiten Weltkrieg unter besonderer Berücksichtigung der stationären Feuerstellungen der schweren Flak, 03/1993, 126 Seiten.
- https://www.geschichtsspuren.de/artikel/luftverteidigung/62-flakschutz-hamburg.html

Erstversion vom 15.04.2026. Letzte Aktualisierung am 15.04.2026.

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